Alternative Rap : Mezzanine

Mezzanine

EUR 6,43

  1. Angel
  2. Risigson
  3. Teardrop
  4. Inertia Creeps
  5. Exchange
  6. Dissolved Girl
  7. `Man Next Door
  8. Black Milk
  9. Mezzanine
  10. Group Four
  11. (Exchange)

MEZZANINE

Düsterer Meilenstein - Ob es sich bei Mezzanine nun um einen der absoluten Höhepunkte des TripHops oder eines der ersten kommerziell efolgreichen Downbeat-Alben handelt interessiert nicht. Was wirklich wichtig ist, ist die Tatsache, daß Massive Attack nach dem recht smoothen und relaxten Protection offen für Neues waren und Anno 1998 einen düsteren, zähen Brocken Musik auf die Welt losließen.Mezzanine ist ein wahres Monster, das einen mit Haut und Haaren in sich einsaugt, wieder ausspuckt, aber nicht ohne von ihm infiziert zu werden und man von dieser Erfahrung nicht mehr lassen kann.In meinen Augen ist es DAS Massive Attack überhaupt, ein modernes und kompromißloses Werk, das selbst bei der Band Spuren hinterließ (Andrew Mushroom Vowles verließ Massive Attack kurz nach dem Veröffentlichungstermin), gespickt von Übersongs.Schon der Opener Angel mit seiner markanten Bassline und schleppenden Drums gehört zu den besten Auskopplungen der 90er und zieht einen gleich in den Bann dieser Albums.Risingson gibt es vor Dream On heißt es da - klasse Song. Über diesen stolpert man zu Teardrop, dem wahrscheinlich bekanntesten Song dieser Band. Pure Schönheit, der Elizabeth Fraser von den Cocteau Twin ihre Stimme verleiht. Hier geht es etwas ruhiger, eingängiger zur Sache, aber man darf nur kurz verschnaufen, denn Inertia Creeps verlangt Deine Seele - und man gibt sie bereitwillig her.Es klingt aus und man selbst atmet tief ein und aus, während das chillige Exchange einem den Gehörgang umschmeichelt, bevor Dissolved Girl Dich wieder ganz tief nach unten reißt. Sara Jay fasziniert hier, betört Dich, wiegt Dich in Sicherheit, bevor die verzerrten E-Gitarren auftauchen und man weder sich selbst, noch seine Umwelt wahrnehmen kann.Doch dann kommt man zu sich und hört Horace Andy, Man Next Door gehört zu den enspannteren Nummern (wenn auch mit kritischem Hintergrund), ganz in der Tradition von Protection. Auch Black Milk reiht sich dort ein. Wieder steuert Elizabeth Fraser die Vocals bei - großes Kino!Der Titeltrack verheißt wieder Unheimliches... Besonders Del Naja wirkt fast schon hypnotisierend - der Trip geht weiter.Group Four wirkt dann fast wie die Quintessenz des Albums: die klare Stimme von Fraser, die eindringliche von Del Naja, Gitarren, schier undurchdringliche Klangteppiche...Man driftet ab, doch dann ist es wieder Horace Andy, der Dich ins Hier und Jetzt zurückholt. (Exchange), zuvor ein Instrumental wirkt durch den Gesang wieder ganz anders, entspannt Dich, entlässt Dich - man ist zu Hause.Klasse, grandios, großartig - es gibt Dutzend Superlative, die ich hier nun heranziehen könnte, aber keines davon wird Mezzanine wirklich gerecht.Zugegeben, im Vergleich zu den Vorgängern ist es sperrig und verlangt einem sehr viel ab, aber wer sich darauf einlässt, kann sich diesem Album nicht mehr entziehen und besitzt einen unbezahlbaren Schatz in seinem Regal.

Hier also TripHop - Eine Platte von jeder Musikart sollte jede Plattensammlung aufweisen. Hier also TripHop. Tropfende, leise, langsame Beats treffen auf leise, flüsternde und zarte Stimmen. Teilweise gibt es aber auch verzerrte Beats (Risingson) und treibende Gitarren (Dissolved girl). In Risingson ist aber auch ruhiger HipHop vorhanden, dessen Raps sich gut abwechseln. Das Besondere an dieser Platte ist die Stimme von Elisabeth Fraser, die vor allem das Stück Tear drop dominiert, welches auf dem Herzschlag eines Kindes im Mutterleib aufbaut. Die druckvollen aber doch zurückhaltende Raps ihrer Mitstreiter bei dem DrumŽnŽBass-Stück Inertia creeps dominieren aber auch. Das ruhige Instrumental Exchange ist einfach nur schön. In Group four vereinen sich die Raps und eben die zauberhafte Stimme perfekt. Fazit: Eine ruhige, schöne Platte, die mich positiv überrascht hat und noch oft den Weg in meinen CD-Player finden wird.

...flickering I roam... - Wieder einmal war es soweit, dass Massive Attack ein Meisterstück mit einem Hauch Genialität abgeliefert haben. Man kann es klar raushören, dass sie einen düsteren Weg eingeschlagen haben.Wobei ich trotz der Selbstverständlichkeit der unterschiedlichen Geschmäcker das Album jedem, dem diese Gruppe gefällt ans Herz lege. Denn das ganze Album lang kann man, abgesehen von dem Stilwechsel die unverkennbare Massive Art erkennen. Atmosphärisch bis zum gehtnichtmehr, Del Naja s fesselnde Vocals, Daddy G s tiefe Stimme gelegentlich als Kontrast, dieser Sound, der einen voll und ganz einhüllt und vereinnahmt, wie es auf diese Weise nur wenigen Künstlern gelingt... . Ganz zu Schweigen von dem guten Gespür für bewegende Frauenstimmchen. Und solch ein Trio sollte sich ja auch weiterentwickeln und nicht auf der Stelle treten. Besonders wenn es solche Wunderkinder wie bei Massive sind!Bei diesem Album gesellt sich zu den Beats und Samples vermehrt handgemachte Musik hinzu.Beim sich mit Drums und verzerrter Bassgitarre langsam aufbauenden/aufbrausenden Angel, stellt man sich auf die neue Spielweise ein, um dann bei dem darauf folgenden Stück Rising son in Erwartungshaltung zu einem Meisterhaften Album zu gehen, das zwar um einiges düsterer als die vorherigen Werke ist, man aber dennoch in (fast) jedem Song ein winziges Licht am Ende des Tunnels vor dem seelischen Auge wahrnimmt. Mit Plattenspieler- Nebengeräuschen beginnt dann Teardrop (wobei man gelegentlich, passend zum Namen ganz unwillkürlich feuchte Augen bekommen kann) und kommt natürlich als logische Singleauskopplung erwartungsgemäß direkt als Ohrwurm in den Kopf. Und so schnell nicht wieder heraus, wäre da nicht das absolut hypnotische Inertia Creeps, welches sich vielleicht erst nach wiederholtem Hören erschließt, sich dann aber vollends entfaltet.Exchange folgt rein akustisch, strahlt eine für das Album ungewöhnliche Wärme aus und ist einfach nur chillig. In Dissolved Girl geht es dann im Gegensatz um eine Person, die aus Zuneigung zu einem anderen Menschen gerne vergisst, dass dieser die Liebe nur körperlich erwidert. Stimmungsmäßig fühlt man sich direkt in einen Film Noir versetzt. Und Man Next Door ist ein Nachruf auf die Zivilcourage, welche in der heutigen, eigenbrötlerischen Welt immer seltener geworden ist. Ein passiv leidender Zeuge eines allnächtlichen, handfesten (Ehe-)Streites, der lieber Wegschaut/-zieht, als einzugreifen. Black Milk groovt dann etwas monoton vor sich hin, ist aber keineswegs schlecht. Erinnert mich stimmlich (positiv) irgendwie an Portishead. Mezzanine spielt wieder mit Störgeräuschen und Minimalistik. Einer meiner Lieblingstracks, wenn überhaupt - Group Four baut sich darauf folgend mit Schlagwerk Einsatz langsam zum eigentlichen Finale des Albums auf, welches dann mit der Vocal Version von Exchange langsam ausklingt.Ich würde jetzt nicht so weit gehen und Mezzanine als ihr bestes Album zu bezeichnen. Denn obwohl es für mich ein klares Meisterwerk ist, kann man es nur schwer mit den beiden Vorgängern vergleichen. Am ehesten dann noch mit dem Nachfolger 100 th Window, welches den Stilwechsel aus Mezzanine weiterführt, aber von 3D aus diversen Gründen fast im Alleingang produziert wurde, eingängiger ist und technisch etwas anders produziert. Aber das ist eine andere Geschichte. Wenn man sich auf ein düstereres, nicht ganz so leicht zugängliches Album (Mezzanine) einlässt, kann man durchaus gefallen daran finden und süchtig werden. Schade, das man in letzter Zeit nicht viel neues gehört hat und auch das neue Album Weather Underground (Arbeitstitel), mit einer meiner Lieblingssängerinen (Hope Sandoval) noch auf sich warten lässt.

Mezzanine - Perfektion zwischen den Welten - Als ich vor gut eineinhalb Jahren auf Massive Attack aufmerksam wurde, blieb ich ca. 3 Monate lang beim Song Risingson hängen. Ohne Übertreibung! Erst nach und nach eröffnete sich auch der Rest von Mezzanine als klangliche Einheit, als Netz aus auditiver Kunst der Superlative.Der Wegfall von Mushroom hat der Musik von Massive Attack meiner Ansicht nach das gegeben, was mir vorher noch gefehlt hat: durchgehend düstere Sounds. Was mir grundsätzlich an Protection schon gefallen hat, aber durch die nervig-alternativen Reggae-Einwürfe immer wieder zerstört wurde, ist jetzt komplett da: ein düster-genaiales musikalisches Manifest, das gerade mal durch die Füll-Tracks Exchange in seiner Kontinuität unterbrochen wird.Bis ich mich dann zu Group Four vorangearbeitet hatte, war die Platte schon ca. ein halbes Jahr in meiner Playlist. Rückblickend steht Mezzanine wirklich zwischen den Welten: Protection - Mushroom weg - Mezzanine - Daddy G. weg - 100th Window.Jedes der erwähnten Alben ist zwar auf seine Art und Weise herausragend, aber Mezzanine pendelt sich zwischen den Extremen fröhlich aber doch melancholisch und Melancholie mit einem Schimmer Aufbruchsstimmung perfekt ein.Für mich vor 100th Window knapp aber doch das beste Massive Attack-Album.Mit Spannung erwachte ich Weather Underground....

Anstrengend - Wer sich bis zum Erscheinen dieser CD zu einem Fan von Massive Attack entwickelt hatte, bekam von Mezzanine herb vor die Fresse gezimmert. Die Entspannung war gewichen. Die souveränen Klanggemälde wurden weggedrückt durch bratzendes Gesäge. Immer wieder habe ich in den vergangenen Jahren den Versuch unternommen, mich in die Scheibe reinzuhören. Aber es bleibt einfach saumäßig anstrengend. Wer aufdringliches und schräges Klanggebastel mag, kommt hier voll auf seine Kosten. Aber wer z.B. Protection mochte, könnte hier enttäuscht werden.




Mezzanine